[Rezension] Spiegelkind von Alina Bronsky

am

Ich war anfangs schon etwas skeptisch, da mich der Begriff „Phee“ doch ziemlich verwundert hatte. Was soll ich mir darunter vorstellen? Tippfehler? -Wohl eher nicht!
Kann sie etwas, was andere Pheen nicht können!?! In dieser Hinsicht fand ich das Interview von Alina Bronsky sehr aufschlussreich: Teil 1 und Teil 2.

Inhalt:

Im Leben der 15jährigen Juli ist alles geregelt. Auffallen ist gefährlich, wer der Norm nicht entspricht, wird verfolgt. Doch dann verschwindet Julis Mutter plötzlich spurlos und der Vater zittert vor Angst. Nach und nach kommt Juli hinter das Geheimnis ihrer Familie: Ihre Mutter ist eine der wenigen Pheen, die wegen ihrer besonderen Fähigkeiten in der Gesellschaft der totalen Normalität gefürchtet und verachtet werden. Gehört auch Juli bald zu den Ausgestoßenen? Zusammen mit ihrer neuen Freundin Ksü und deren Bruder Ivan macht sie sich auf eine gefährliche Suche – nach der verschwundenen Mutter, der verbotenen Welt der Pheen und der Wahrheit über sich selbst.

Erster Satz:

“ „Schau lieber nicht hin“, sagte mein Vater und versperrte mir den Weg.“

Meinung:

Juli, 15 Jahre alt und der Hauptcharakter des Buches, hat es schon von Anfang an nicht gerade leicht. Ihre Eltern haben sich getrennt und von da an wohnt sie abwechselnd eine Woche bei ihrer Mutter und ihrem Vater. Eine Situation, die für alle Beteiligten nicht gerade sehr angenehm ist…
Doch als Juli glaubt es könnte nicht noch schlimmer werden, verschwindet ihre Mutter spurlos. Doch dies scheint niemanden zu interessieren, weder ihr Vater, ihre restliche Familie oder die Polizei versucht ihre Mutter wieder zu finden. Juli kann diese Einstellung nicht verstehen und rebelliert zusammen mit ihrer neuen Freundin Ksü und deren Bruder Ivan – jedenfalls 2, die ihr mit voller Hilfe zur Seite stehen.

Das Buch liest sich im Großen und Ganzen recht schnell weg. Ich bin sehr schnell in die Geschichte reingekommen und hatte auch keine großen Probleme mich mit den Figuren anzufreunden.
Ich habe mir die ganze Zeit eine Welt vorgestellt, die unserer realen Welt sehr ähnelt, doch nach und nach habe ich gemerkt, dass das nur bedingt der Fall ist, da immer wieder zwischen „Normalen“ und „Freaks“ unterschieden wird und es Gebiete gibt, in denen Juli nicht gehen darf, da es dort nur von Freaks wimmelt. Ich habe mir diese Szenen als eine Art Slums vorgestellt, wie es sie in Amerika gibt, auch wenn das sicherlich nicht ganz so krass ist.
Die gesamte Gesellschaft ist klar strukturiert und alles was nicht der Norm entspricht wird ganz klar getrennt. Doch die Menschen, die nicht der Norm entsprechen, werden nicht öffentlich an den Pranger gestellt und allen gezeigt, sondern mit Verachtung, Geheimhaltung und Ausschluss gestraft.

Vor dem Verschwinden ihrer Mutter hat Juli sehr behütet gelebt und kaum etwas von dieser katastrophalen Gesellschaft mitbekommen. Schlag auf Schlag ändert sich ihre Meinung um 180°. Juli kann eine Gesellschaft, die gegen ihre Mutter stellt nicht gut heißen. Besonders als sie merkt, dass ihre neue Freundin Ksü als „Freak“ eingestuft wird und auf dem Gelände der Abgeschobenen lebt.
Auch wenn ich vollkommen nachvollziehen kann, warum Juli ihre Meinung ändert, so bin ich doch sehr überrascht, dass sie alle ihre Prinzipien so schnell über den Haufen werfen kann, die sie über 15 Jahre lang „eingetrichtert“ bekommen hat. Ich kann mich nicht vorstellen, dass es so schnell geht… Auch nicht mit Hilfe ihrer Freunde, die die Gesellschaft sehr schnell durchschaut haben und wissen, dass dort nichts mit rechten Dingen vorgeht.
Es wäre schön gewesen, wenn diese Wandlung etwas langsamer vonstatten gegangen wäre und der Leser die Motive für diese Veränderung noch mehr verdeutlicht bekommen hätte.

Die Idee der Geschichte finde ich wirklich toll, doch fand ich die Umsetzung der Lösung von Julis Problem: dem Verschwinden der Mutter, etwas zu stolprig. Ich bin immer wieder über mir unklare Punkte gestolpert, die mich vollkommen aus dem Lesefluss gebracht haben und mir dadurch etwas die Freunde beim Lesen genommen haben. Ich weiß, dass es eine Trilogie ist und gerade dadurch die Geschichte etwas spannender und undurchsichtiger bleiben soll, aber nicht um jeden Preis! Ich hätte mich sehr gefreut, wenn es auf meine vielen, vielen Fragen einige Antworten mehr gegeben hätte. Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass ich im zweiten Teil nicht enttäuscht werde.😉

Das Cover fand ich anfangs nicht wirklich toll, denn als ich noch nicht den Klappentext bzw. das Buch kannte, habe ich mir unter dem Titel eine ganz andere Geschichte vorgestellt, zu der diese Mischung aus blau und grün gar nicht gepasst hat. Mittlerweile habe ich damit anfreunden können, auch wenn es eher nicht aussagekräftig ist.

Fazit:

Auch wenn ich die Idee der Geschichte toll finde, bin ich mit der Umsetzung leider nicht ganz zufrieden. Ich finde es wirklich schade, dass viel zu viele Fragen unbeantwortet bleiben und die Figuren sich zu schnell entwickeln.
Ich hätte ich gefreut, wenn Juli in dieser Hinsicht etwas intensiver und über einen längeren Zeitraum, gerne auch gerafft, beschrieben worden wäre.
Nun bin ich mal gespannt, was mich im 2. und 3. Teil erwarten wird… Für mich hätte dieses Buch einen sehr guten Einzelroman abgeben können!

Wertung: 

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 3/5
Lesespaß: 4/5
Gestaltung: 5/5
Preis/Leistung: 3,5/5

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