[Rezension] 41 Rue Loubert von Mara Ferr

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Ich habe bei diesem Buch extra gewartet bis ich in Krimistimmung war, doch ich hätte es auf jeden Fall schon vorher lesen sollen!

Inhalt:

Louise wird im Dezember sechzig. Sie hat sich auf ihren Eintritt in den wohlverdienten Ruhestand sorgfältig vorbereitet und kann es kaum erwarten, ihr arbeitsreiches Leben hinter sich zu lassen. Louise ist Hure.
Ihre genialen Zukunftspläne drohen zu scheitern, als sie ins Visier von Marcel gerät, der die Ermittlungen in achtzehn Fällen vermisster Männer der ehrenwerten Pariser Gesellschaft leitet.
Marcel ist von Louises Schuld überzeugt und setzt alles daran, ihren Schutzwall aus Intelligenz und Gelassenheit zu durchbrechen.

Erster Satz:

„In den letzten vierzig Jahren erschien es manch einem als himmlische Pforte zur vollkommenen Glückseligkeit.“

Meinung:

Ich habe das Buch vor wenigen Stunden ausgelesen und bin einfach hin und weg, dass mir schon fast die Worte fehlen. Ich bin schon nach den ersten paar Seiten in Louises Bann gezogen worden, dass ich mich dem Buch kaum entziehen konnte und die ganze Zeit weiter lesen wollte…
Louise ist eine einzigartige Frau, der man beim Lesen ihre 60 Jahre nicht anmerkt. Sie ist keine typische ältere Dame, die auf ihre Wehwehchen hinweist und sich mit ihren Freundinnen regelmäßig zum Kaffeeklatsch trifft.
Louise ist eine Edelhure, die für diesen Status hart arbeiten musste, jedoch aber eher zufällig in dieses Milieu hineingerutscht ist. Sie ist eine äußerst sympathische Frau, die sich nach nun über 40 Jahren den Ruhestand wahrlich verdient. Diese Erfahrung durch das hohe Alter merkt man ihr auch sehr stark an. Sie ist intelligent, clever und obwohl sie total abgeklärt wirkt, in ihren Taten sehr liebevoll.

Das 255 Seiten starke Buch ist Spannung pur. Mara Ferr hat ein schnelles Tempo angeschlagen mit vielen kurzen prägnanten Sätzen, die das Geschehen immer weiter vorantreiben. Das interessante finde ich, dass die Autorin „Tabu-Themen“  mit einer gewissen Nüchternheit anspricht, wo man aber sehr schnell merkt, dass diese nicht nebensächlich oder gar abgetan werden. Sie geht damit sehr kritisch um und es ist beeindruckend, dass sie es sich „traut“ Liebe und Sexualität in Hinsicht auf Menschen mit Behinderungen anzusprechen. Doch gerade dieser Aspekt hat mich teilweise leicht zusammenschrecken lassen, gerade weil es für mich nicht „normal“ ist.
In diesem Zusammenhang möchte ich euch gerne auf Nina de Vries Aufmerksam machen, die sich sehr intensiv mit diesem Thema auseinander setzt und versucht dieses Thema so alltäglich wie möglich zu gestalten.

Mara Ferr hat einen allwissenden Erzähler eingesetzt. Eine Erzählweise, die ich in den meisten Büchern, die ich lese nicht finde. Daher war es anfangs eine kleine Umgewöhnung, aber ganz schnell war ich mitten drin und habe gespannt den verschiedenen Perspektiven „gelauscht“: Louise, den behinderten Luc, seinen Vater Hendrik, sowie die anderen Huren aus der 41 Rue Loubert, den Chefermittler Marcel und einige andere Figuren.

Die gesamte Lesezeit und auch danach befindet man sich zwischen den Stühlen, zwischen Recht und Unrecht und der Frage nach Gerechtigkeit. – an dieser Stelle verrate ich nichts, denn dies ist ein erheblich wichtiger Teil in diesem Buch-
Es ist in diesem Fall sehr schwierig das Handeln der Figuren zu beurteilen und ein richtig und falsch mag ich gar nicht aussprechen. Hier sollte sich jeder selbst sein Urteil bilden und dieses Buch auf jeden Fall lesen!

Das Cover, muss ich ganz ehrlich sagen, hat mich so gut wie gar nicht angesprochen. Doch nachdem ich den Inhalt kannte und ich mich in die Situation von Louise hineinversetzt habe, fand ich das Bild immer passender und hatte beim Lesen immer wieder diese Tür vor Augen, die Tür der 41 Rue Loubert.

Fazit:

„41 Rue Loubert“ ist ein hochinteressanter und raffinierter Krimi, der seine 5 Sterne voll und ganz verdient hat!
Ich kann euch diesen Roman wirklich nur ans Herz legen, denn hier wird nicht nach Schema F vorgegangen, es werden andere Seiten aufgezogen und andere Themen angesprochen, die ich in meiner (leider recht kurzen) Krimierfahrung bisher noch nicht erlebt habe!

Wertung: 

Handlung: 5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Gestaltung: 5/5
Preis/Leistung: 5/5

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