[Rezension] Vielleicht sogar wir alle von Marie-Aude Murail

Mein 2. Buch von Marie-Aude Murail, dass mir wieder sehr gut gefallen hat!!😀

Inhalt:

Die Geschichte einer ganz normalen Familie: Der Vater fürchtet die drohende Umstrukturierung seiner Firma, der Mutter wird der wachsende Leistungsdruck in ihrem Job zu viel, die jugendliche Tochter flüchtet sich in die Welt ihrer Manga-Helden, und der kleine Sohn ist ein Außenseiter. Sie lieben sich, aber sie finden keine Zeit, es sich zu sagen. Und doch stellen sie auf einmal fest, dass sie alle davon träumen, ein einfacheres Leben zu führen: ohne Luxus, aber auch ohne erdrückende Sorgen.

Erster Satz:

„Charlie Doinel hatte während ihres achten Schuljahrs allerhand Sorgen gehabt.“

Meinung:

Mit „Vielleicht sogar wir alle“ ist ein Geschichte mitten aus dem Leben einer ganz normalen französischen Familie gelungen, die mich von Anfang an voll mitgenommen hat ohne mich in irgendeiner Weise zu langweilen.
Die Familie heißt Doinel und besteht aus der Mutter Nadine, eine Vorschullehrerin, die von ihren Schülern ziemlich gefordert wird, doch ihre Kräfte entgleiten ihr von Tag zu Tag mehr, den Vater Marc, ein leitender Angestellter, der eine sehr schwere Phase in seinem Betrieb durchstehen muss und den beiden Kindern Charline, die eigentlich nur Charlie genannt wird und deren Welt sich rund um Mangas dreht und den jüngsten Esteban, der hochbegabt ist, jedoch einige Probleme beim Finden von sozialen Kontakten hat…

Jedes Familienmitglied hat in diesem Buch die Chance seine eigene Geschichte zu erzählen, auch wenn einige Probleme für Außenstehende als eher weniger dramatisch eingeschätzt werden, so merkt man sehr schnell, welche Auswirkung diese auf die Persönlichkeit der einzelnen Familienmitglieder hat. Das Leben wächst der kleinen Familie einfach über den Kopf… Jedes Mitglied der Familie Doinel muss auf seine Art einen harten Kampf um Leistung und das Funktionieren in der Gesellschaft durchleben, der an die Substanz geht und es droht, dass sich die eigene Persönlichkeit stark verändert.

Besonders die Probleme des Vaters Marc konnte ich voll und ganz nachvollziehen. Sein Betrieb wurde von einem riesen internationalen Konzern aufgekauft und wird nun ausgeschlachtet, sodass Marc als Leiter seines Teams an der Reihe ist gegen seinen Willen Mitarbeiter zu entlassen. Dabei ist Marc, für mich, ein Vorzeige Teamleiter, der allen Menschen, egal welche Vergangenheit sie haben, eine Chance gibt, sei es ein geistig Behinderter, eine alleinerziehende Mutter mit einem Kind, dass stets und ständig krank ist oder gar ein vorbestrafter Gewalttäter. Marc sieht in jedem Menschen etwas Gutes und vor dieser tollen Eigenschaft kann man einfach nur den Hut ziehen.

Es wirkt die ganze Zeit als ob die komplette Familie sich nach und nach auseinander lebt und sie nie wieder zu einer Einheit verschmelzen werden. Doch durch einen Zufall werden alle 4 auf einen bestimmten Zeitungsartikel aufmerksam, der ihnen scheinbar die Chance gibt aus ihrem Schlamassel zu entrinnen. Eine spannende und gefühlvolle Flucht aus der engen Gesellschaft beginnt!

Marie-Aude Murail hat eine ganz besondere Art ihre Geschichten zu erzählen. Es ist eine sehr bedrückende und traurige Geschichte, die trotzdem mit voller Leben und Energie gefüllt ist. Marie-Aude Murails Galgenhumor macht die ganze verfahrene Situation etwas lockerer und erträglicher für alle Beteiligten. Besonders durch ihre direkte und indirekte Art merkt man als Leser stark, wie kritisch sie mit der Gesellschaft umgeht und das sie nicht alles so akzeptiert, wie es ist. Das Schulsystem in Frankreich ist noch leistungsbezogener als in Deutschland und das spüren besonders Esteban, Charlie und Nadine. Dieser ständige Druck scheint teilweise kaum aushaltbar… Und das betrifft nicht nur die Familie Doinel. Denn es sind „vielleicht sogar wir alle“ von diesen gesellschaftlichen Problemen betroffen…

Das Cover ist sehr schlicht gehalten und spiegelt die Familie Doinel wider, die als Vorzeigefamilie in diesem Buch dargestellt wird. Mir gefällt es sehr gut und passt hervorragend zu den anderen Büchern von Marie-Aude Murail.😀

Fazit:

„Vielleicht sogar wir alle“ ist ein sehr gefühlvolles, starkes und kritisches Buch, das mich voll und ganz in seinen Bann gezogen hat. Ich hatte sehr viel Spaß beim Lesen und fand es sehr beeindruckend einen Einblick in den Alltag einer französischen Familie zu bekommen, der sich doch gar nicht so sehr von der einen deutschen unterscheidet.
Ich freue mich schon sehr darauf weitere Bücher der talentierten französischen Schriftstellerin zu lesen! ♥

Wertung:

Handlung: 5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Gestaltung: 5/5
Preis/Leistung: 5/5

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